Prof. Dr. Udo Steinbach (1943–2025) gehörte über Jahrzehnte zu den prägenden deutschen Wissenschaftlern und öffentlichen Intellektuellen auf dem Gebiet Westasiens und Nordafrikas (WANA-Region). Mit seiner wissenschaftlichen Arbeit, seinen zahlreichen Veröffentlichungen und seinem kontinuierlichen Engagement für den Dialog zwischen Europa und der arabischen Welt hat er Generationen von Studierenden, Forschenden und politischen Entscheidungsträgern begleitet und inspiriert.
Sein Verständnis der Region war geprägt von wissenschaftlicher Neugier, intellektueller Unabhängigkeit und der Überzeugung, dass nachhaltige Erkenntnis nur durch sorgfältige Analyse, persönliche Begegnung und die Bereitschaft entsteht, vertraute Perspektiven immer wieder zu hinterfragen. Er wandte sich entschieden gegen Vereinfachungen und stereotype Deutungen und setzte sich zeitlebens für ein differenziertes Verständnis gesellschaftlicher, politischer und kultureller Entwicklungen in der WANA-Region ein.
Als langjähriger Wegbereiter der deutschen Nahostforschung verstand Udo Steinbach Wissenschaft nie als Selbstzweck. Forschung bedeutete für ihn Verantwortung: Sie sollte Brücken bauen, öffentliche Debatten bereichern und zu einem besseren gegenseitigen Verständnis zwischen Gesellschaften beitragen.
Das Udo-Steinbach-Scholarship knüpft an dieses Vermächtnis an. Es fördert Masterstudierende, die Westasien und Nordafrika nicht aus der Distanz betrachten, sondern bereit sind, durch eigene empirische Forschung vor Ort neue Perspektiven zu gewinnen und wissenschaftliche Erkenntnisse mit gesellschaftlicher Relevanz zu verbinden.
Denn eine Überzeugung prägte Udo Steinbachs wissenschaftliches Wirken bis zuletzt:
Fundiertes Wissen entsteht nicht aus Distanz, sondern aus Nähe zur Realität.
Das Udo-Steinbach-Scholarship unterstützt herausragende Masterstudierende dabei, eigenständige und empirisch fundierte Forschung in der WANA-Region zu realisieren. Im Mittelpunkt stehen Feldforschung und die unmittelbare Auseinandersetzung vor Ort. Gleichzeitig stärkt das Scholarship den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Öffentlichkeit und fördert den Austausch zwischen Forschung und Gesellschaft.
Langfristig möchte das Scholarship dazu beitragen, dass eine neue Generation von Wissenschaftler*innen und öffentlichen Intellektuellen die WANA-Region jenseits von Klischees analysiert, zwischen Regionen, Disziplinen und Öffentlichkeiten vermittelt und wissenschaftliche Erkenntnisse aktiv in gesellschaftliche Debatten einbringt.
Das Scholarship orientiert sich an den Werten wissenschaftlicher Unabhängigkeit, kritischen Denkens und historischer Sensibilität. Es steht für Dialog statt Polarisisierung, macht die Vielfalt der WANA-Region sichtbar und setzt sich für Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit ein. Zugleich möchte es junge Stimmen stärken und einen offenen, wissensbasierten Dialog zwischen Europa und der WANA-Region fördern.

